Niederzurren.

Niederzurren ist beim Güterstraßentransport die häufigste Zurrart, da die meisten Ladungen derart breit sind, dass ein Sichern nur durch senkrechtes oder leicht schräges Niederzurren erfolgen kann. Beim Niederzurren müssen jedoch unbedingt folgende Voraussetzungen beachtet werden:

  • Es muss eine hohe Reibung zwischen Ladung und Ladeoberfläche sowie zwischen den Ladeeinheiten (Plattentransport) gewährleistet sein. Der Gleit-Reibbeiwert µ muss bekannt sein.
  • Der Vertikalwinkel α sollte möglichst nahe bei 90° liegen. Er muss bekannt sein.
  • Die Ladung muss einer höheren Vorspannung gewachsen sein.
  • Die Zurrpunkte müssen für die Belastung geeignet sein.
  • Das Wichtigste, die Größe der erforderlichen Vorspannungskraft, die mit dem Spannelement eingebracht werden muss, muss bekannt sein.


Diese Aufzählung lässt die Nachteile und die Grenzen des Niederzurrens erkennen: Beim Niederzurren sind die Zurrmittel, die Zurrpunkte und die Ladung selbst permanent einer hohen Zurrkraft ausgesetzt. Grundsätzlich funktioniert das Niederzurren aber nur, wenn wie erwähnt ein genügend großer Reibungskoeffizient zwischen Ladefläche und Ladung besteht. Stahl auf Stahl beispielsweise ist sehr ungünstig, weshalb zur Erhöhung der Reibung Unterleghölzer, reibungserhöhende Matten (Antirutschmatten) o.Ä. verwendet werden. Die Ladefläche und die Ladung müssen natürlich frei sein von Öl, Dreck und Eis.

Wie entsteht der Sicherungseffekt beim Niederzurren?

Durch das Aufbringen der Gesamtvorspannkraft Fv durch die Zurrmittel (Zurrkette, Zurrgurt) mittels Spannelementen (Spindelspanner/Zugmessratsche) wird die Reibungskraft Fr vergrößert.

Die tatsächlich wirkende Reibungskraft, auch Rückhaltekraft genannt, setzt sich also zusammen aus dem Anteil, der durch das Eigengewicht der Last mit G x µ resultiert, und dem Teil, der sich aus der vertikalen Kraftkomponente der zusätzlich aufgebrachten Vorspannkraft mit Fv x sin α x µ ergibt. Beide Werte zusammen müssen größer sein als die Kraft, mit der die Last auf der Ladefläche zu wandern versucht, also dem 0,8- bzw. 0,5-Fachen des Ladungsgewichts:

Für die erforderliche Gesamtvorspannkraft Fv ergibt sich daraus folgende Formel:

Darin bedeuten:


G: Gewichtskraft in daN ≈ Masse m in kg
cx,y: Beschleunigungsfaktor
cx: Beschleunigungsfaktor in Fahrtrichtung = 0,8 / entgegen Fahrtrichtung = 0,5
cy: Beschleunigungsfaktor quer zur Fahrtrichtung = 0,5
µ: Gleit-Reibbeiwert
α: Vertikalwinkel (Winkel zwischen Ladefläche und Kettenstrang)

Berechnungsbeispiel:


Ladung Fertigbetonteil
m = 4000 kg ≈ 4000 daN = G
 
Beton/Holzladefläche:
µ = 0,3

Vertikalwinkel α = 60°

Der Grundgedanke des Niederzurrens besteht darin, die natürliche Auflast durch das Einbringen von Vorspannkräften zu erhöhen und so die Reibungskraft zu vergrößern, die die Ladung am Verrutschen hindert.

sin 60° = 0,866

 

 

FV = 7698 daN (Gesamtvorspannkraft)
Daraus kann die Anzahl der erforderlichen Umspannungen n berechnet werden:

Darin bedeutet STF = Standard tension force (die mit einem Spannelement erreichbare Vorspannkraft).

Im Beispiel wurde eine RUD ICE-Zurrkette mit einer Nenndicke von 8 mm ausgewählt, mit einer STF von 2800 daN.

Ergebnis: Für den Zurrvorgang werden zwei Zurrketten in der Umspannung vom oben genannten Typ benötigt.